Das aCar von EVUM

Unauffällig verrichten sie fast tagtäglich ihre Arbeit, sind bei den Kommunen, Gärtnereien oder landwirtschaftlichen Betrieben nicht mehr wegzudenken und doch hat sich auf dem Markt der kleinen Nutzfahrzeuge in der Entwicklung nicht sehr viel getan. Innovationen kommen schrittweise, doch irgendwie bleibt immer alles beim Bewährten. Aber das könnte sich bald ändern – die Luftverschmutzung, vor allem in den Städten und im Gebirge, nimmt immer mehr zu und ein Umdenken setzt langsam ein. Alternative Antriebe sind gefragt, um nicht plötzlich mit Verboten und Strafen konfrontiert zu werden. Gerade Behörden sollten da als Vorbild fungieren und deshalb werden auch kleine Start-Ups interessant, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Meist findet man diese findigen Köpfe bei Technischen Universitäten, da solche innovativen Fahrzeuglösungen oft aus Forschungsergebnissen hervorgehen. So auch das Fahrzeug, das wir heute fahren durften. Das aCar der Firma EVUM ist sozusagen die elektrische Variante des überall bekannten Pinzgauers. Konzipiert wurde es eigentlich für Afrika, doch durch seine Einfachheit, Robustheit und überzeugenden Ausmaße ist es ebenso interessant für den einheimischen Nutzfahrzeugemarkt.

Doch beginnen wir mit den Maßen: 4003 mm  Länge gepaart mit einer Ladefläche, die man mit 1 Tonne Last bestücken kann, bei einer Höhe von gut 1996 mm  und einer Breite von 1562 mm . Das bedeutet, dass Forstwege, besonders die schmalen, kein Problem darstellen und wenn’s dann doch mal eng wird, schätzt man den Wendekreis von unter  10m und den Allradantrieb des aCars. Doch damit nicht genug, denn wenn es einmal steil werden sollte, überzeugen die beiden neuen Asynchron-Motoren mit 180Nm bei einer Peakleistung von 28kW (20  Sekunden) und verzeihen dadurch auch kleine Fahrfehler. Bei einer Bodenfreiheit von 235,5mm und tiefgelegenem Schwerpunkt durch die Akkus wird selbst der verstockteste Pfad zur Spielwiese. Damit der Fahrspaß nicht so schnell enden muss, weil der Saft – sagen wir lieber der Strom – ausgeht, haben die Ingenieure von E VUM gleich zu Beginn für eine Reichweite von bis zu 100 km  (großes Batteriepack bis zu  200 km) gesorgt. Doch das aCar soll ja nicht nur fahren oder befördern, sondern den Arbeitern auch als Arbeitsmittel dienen. Deshalb findet man auch eine Schukosteckdose am Fahrzeug, die man mit 3kW belasten darf. Interessant ist auch die Tatsache, dass man an die Wiederaufladung der Akkus in Form von Photovoltaik auf dem Dach gedacht hat oder, wenn es mal schneller gehen soll, auch an eine Typ-2-Ladesäule ran darf. Vorzugsweise wird das Fahrzeug einphasig mit 3,3kW über Nacht geladen und darf nach gut 6,5 Stunden wieder vom Netz.

Eine weitere Form des “Einspeisens” ist auf dem E-Autosektor die sogenannte Rekuperation, die beim Liften des Gaspedals den Antriebsmotor zum Generator verwandeln lässt – und die ist so gut gelungen, dass man von einem wahren One-Pedal-Fahren sprechen kann. Wie wertvoll das Gefährt für unsere heutige Zeit ist, erfährt man erst, wenn man es mit zusätzlichen Features ausstattet, um das alltägliche Arbeiten zu erleichtern. Kipper, Pritsche, Kasten, Plane oder sogar mit Anhänger bei einer weiteren Tonne Last (gebremst), sind nur einige weitere Ausstattungsmerkmale. Die hier vorgestellte First-Mover-Variante ist sozusagen “nur” der Einstieg in die elektrische Welt der Nutzfahrzeuge von E VUM. Die Besonderheiten eines elektrisch betriebenen Nutzfahrzeuges wie spontane Krafteinsetzung bei Nullemission und Subvention vom Staat sind nur ein paar Aspekte, die man nennen sollte. Doch bevor man sich von Zahlen beeindrucken lässt, wäre es besser, EVUM  in Bayerbach bei Ergoldsbach  zu besuchen. Das Fahrzeug überzeugt beim Fahren mehr als man es in Worten ausdrücken kann und das Grinsen im Gesicht spricht Bände…

Alles, was nötig ist, um die alltägliche Arbeit zu erleichtern und so robust gebaut, dass man lange daran Freude hat. Und selbst wenn es mal kracht, lassen einen EVUM  und seine renommierten Partner auch nicht im Stich. So sieht ein überzeugendes Stück Zukunft auf dem Nutzfahrzeugmarkt aus und ich bedanke mich herzlichst für dieses wunderbare Testfahrt-Erlebnis.

 

Markus Gust, Team Revolluzzer